Johannes Käßner
Wolfgang, seit vielen Jahren betonst Du in Vorträgen die Bedeutung des Übungsweges und führst Übungsgruppen. Warum ist Dir das so wichtig?
Wolfgang Findeisen
Wenn es mir nicht wichtig wäre, würde mein Leben flach dahinlaufen. Die entscheidende Frage ist heute nicht mehr so sehr: Was tue ich? Sondern: Wie tue ich es? Und genau da setzt die Schulung an. Das "Was" kommt von außen, es sind die äußeren Umstände, es ist das Leben, so wie es eben kommt. Aber das "Wie" kommt aus der Seele. Und die Seele kann man schulen. Man kann sie fähiger machen, bewusster, sodass man darauf achtet: Wie mache ich etwas? Und welchen Einfluss soll es auf das Ganze nehmen?
Johannes Käßner
Welche Bereiche werden dabei konkret geschult?
Wolfgang Findeisen
An allererster Stelle steht das Denken. Und das geht verloren. Je mehr wir KI benutzen, je mehr wir vom Smartphone unsere Fragen beantworten lassen, desto mehr verkümmert das eigene Denken. Und das Merkwürdige ist: man merkt es nicht. Denn man kann nur durch das Denken lernen, es zu bemerken, doch das Denken selbst ist dann schon nicht mehr da. Gerade hier wird die erste Nebenübung zur Hilfe, wie Rudolf Steiner sie beschrieben hat. Sie schult das Denken gezielt, nicht nur, was man denkt, sondern die Kraft des Denkens selbst.
Diese ist es, auf die es ankommt. Solange ich mich damit begnüge, mich auf Gedanken zu konzentrieren, kann ich auf das Denken nur rückwirkend blicken. Will ich das Denken unmittelbar schauen, ist mehr erforderlich. Dieses "Mehr" baut auf den Willen auf. Was ist der Ursprung des Willens? Er lässt sich nicht aus Vergangenem beziehen wie Erinnerungen oder Gewohnheiten. Er bringt immer eine Kraft aus der Zukunft in die Gegenwart, er ist erst da, wenn ich ihn betätige.
Johannes Käßner
Welche Rolle spielt dabei das Fühlen?
Wolfgang Findeisen
Neben dem Denken und dem Willen muss auch das Fühlen geschult werden. Nehmen wir ein Beispiel: Wenn ich in einen Konzertsaal komme, bin ich zunächst mit meinen alltäglichen Gefühlen da, mit dem, was mich gerade beschäftigt hatte. Dann beginnt die Musik, die neunte Sinfonie von Beethoven. Alle Menschen, die zuerst mit ihren privaten Gefühlen in das Konzert kamen, werden durch die Musik in ihrem Fühlen durch Welten hindurchbewegt, wie Beethoven das eben konnte. Dann, nach dem Konzert, gehen sie alle verwandelt, wie beschenkt, mit leuchtenden Augen wieder hinaus.
Das Fühlen ist gehoben worden durch die Kunst. Und dieses bewusste Fühlen kann man auch im Alltag üben: Herr werden über die Sympathien und Antipathien, darauf kommt es an. Durch Schulung kann das Fühlen zu einem gleichmütigen Wohlwollen mit wachen Sinnen entwickelt werden.
Aus freiem Willen Denken, Fühlen und Handeln führen zu lernen ist gewiss ein schwieriger Weg. Rudolf Steiner wies darauf hin: Der spirituelle Weg ist ein schwerer Weg. Und wäre er nicht schwer, wäre er kein spiritueller.
Johannes Käßner
Was hat Relux mit dem Schulungsweg zu tun?
Wolfgang Findeisen
Relux würde ohne den Schulungsweg nicht existieren. Bei Relux erforschen wir die Ätherkräfte, Lebenskräfte, die in der modernen Welt zunehmend aus dem Gleichgewicht geraten. Mit der Stärkung der Denkkraft entwickeln wir das Wahrnehmen der Kräfte unmittelbar. Wir gewinnen Erkenntnisse über die Ätherkräfte und ihre Wirksamkeiten, welche wir in unserer Technik anwenden.
So entstehen Produkte, die die Ätherkräfte in der Welt verstärken und verbreiten können. Die gewonnenen Erkenntnisse geben wir weiter in Form von Büchern, Vorträgen und dem Angebot, gemeinsam an Übungen des Schulungsweges zu arbeiten.
Johannes Käßner
Wir schreiben das Jahr 2026. Hat sich die Suche nach einem Schulungsweg in den letzten Jahren verändert? Und wenn ja, wie?
Wolfgang Findeisen
Seit den 60er Jahren und der damaligen weltweiten Aufbruchsstimmung lernte ich spirituelle Wege des Ostens wie auch des Westens kennen. Ich fragte mich oft: Hat Europa einen eigenen Weg zu geben? Heute lässt die Zunahme weltweiter Krisen die Sehnsucht nach Spiritualität und die Notwendigkeit eines europäischen Weges wieder stärker aufkommen.
Der Schulungsweg Rudolf Steiners ist ein spiritueller Weg, der zentral vom Denken ausgeht, der das Denken sogar derart steigert, dass es zum Feld spiritueller Erfahrung werden kann. 1989 wurde Daskalos, ein weiterer Menschheitslehrer, weltweit bekannt. Gleich bei meiner ersten Begegnung mit ihm sagte er: "Bei jedem Schritt in die geistige Welt, nehmt das Denken mit. Geht keinen Schritt weiter, als das Denken euch führt". Steiner wie auch Daskalos wiesen auf die Bedeutung des Denkens für die Gegenwart und Zukunft hin.
Heute erleben wir einen ständig wachsenden Zustrom zu diesem Übungsfeld. Das ist erfreulich. Dieses Üben kräftigt das Individuelle im Menschen, das vom Ich geleitet wird; und es befähigt, den Sinn zu entwickeln für die Aufgaben, die die Gegenwart von uns erwartet.
Johannes Käßner
Gibt es etwas, was Du den Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?
Wolfgang Findeisen
Der Übungsweg ist nicht dafür gemacht, um selbst besser zu werden, sondern um verfügbarer zu werden, fähiger zu werden, das in die Welt einzufügen, was sie von uns braucht.
Was ich empfehlen kann: Sich mit der Willenskraft aus dem Alltag herauszuziehen. Neue Momente in den Alltag hineinbringen, in denen etwas von der Ewigkeit des eigenen Seins hereinleuchten kann. Einfach sich in einem Moment am Tag sagen: Hier mache ich entgegen meiner alltäglichen Gewohnheiten etwas anders.
Was da an Freiheit im Willen erobert werden kann, macht die Seele unabhängiger von der äußeren Welt. Und dieses Stück Freiheit wird zu einer Fähigkeit, Neues entwickeln zu können. Eine positive Gestaltung der Zukunft, die Fähigkeit, den Herausforderungen, die die heutige Zeit mitbringt, begegnen zu können, hängt von solch errungener Freiheit ab.